Exkursion

Was CEOs vom Profi-Handel lernen können: Einblick ins BEKB-Handelszentrum

Schnelle Entscheidungen unter Druck, klare Spezialisierung und konsequentes Risikomanagement – das sind Eigenschaften, die Börsenhändler und erfolgreiche Unternehmer teilen. Der CEO-Club durfte das BEKB-Handelszentrum besuchen und dabei hautnah erleben, wie professioneller Wertschriften- und Devisenhandel funktioniert. Die Erkenntnisse sind für jedes KMU relevant – besonders das Thema Devisenmanagement KMU Schweiz.


Einleitung: Wenn Unternehmer in Finanzhandel eintreten

Viele KMU-Inhaber denken beim Stichwort «Börsenhändler» an Hochglanzfilme, Grossstadtkulisse und Milliardendeals. Der Alltag im Handelszentrum der Berner Kantonalbank (BEKB) ist nüchterner – und gerade deshalb lehrreicher.

Der CEO-Club hatte die Gelegenheit, das BEKB-Handelszentrum in Bern zu besuchen. Dieses Handelszentrum ist – gemäss eigenen Angaben der BEKB – der grösste Handelsraum zwischen Zürich und Lausanne. Mit spezialisierten Teams für Schweizer Aktien, internationale Aktien und Derivate, Zinsen und Kapitalmarkt sowie Devisen, Sorten und Edelmetalle deckt die BEKB ein breites Spektrum professioneller Finanzdienstleistungen ab.

Begrüssung durch Urs Grunder, Leiter Handel / Financial Institutions der BEKB

Bild: Begrüssung vom CEO-Club durch Urs Grunder, Leiter Handel / Financial Institutions der BEKB

Empfangen wurden wir von Urs Grunder, Leiter Handel / Financial Institutions, und Remo Kunz, Leiter Handel. Nach einer Vorstellung des Handelszentrums durften wir zwei Händlern direkt über die Schulter schauen: einem Spezialisten im Aktienhandel Inland und einem Devisenhändler.

Was wir dabei mitgenommen haben, geht weit über Finanzmärkte hinaus – es sind Prinzipien, die jeder Unternehmer kennen sollte.

Vorstellung vom BEKB-Handelszentrum durch Urs Grunder, Leiter Handel / Financial Institutions der BEKB

Bild: Vorstellung vom BEKB-Handelszentrum durch Urs Grunder, Leiter Handel / Financial Institutions der BEKB


Ein Blick in den Handelssaal: Wie professioneller Wertschriftenhandel funktioniert

Spezialisierung statt Allrounder-Ansatz

Das erste, was im Handelszentrum auffällt: Jede Person hat ihre klar definierte Domäne. Es gibt keine Händler, die heute Schweizer Aktien handeln und morgen Devisen. Die Teams sind nach Anlageklassen getrennt und arbeiten täglich in ihrem spezifischen Markt.

Das Handelszentrum der BEKB ist in fünf spezialisierte Teams unterteilt:

  • Schweizer Aktien – Fokus auf den heimischen Markt, langjährige Brokerkontakte
  • OTC-X / Nicht-kotierte Schweizer Unternehmen – ein Nischenbereich mit hohem regionalem Bezug
  • Zinsen und Kapitalmarkt – Anleihen, Geldmarkt, Emissionen
  • Devisen, Sorten und Edelmetalle – Währungsabsicherung, Gold, Silber
  • Derivate und internationale Aktien – globale Märkte, strukturierte Produkte

Diese Arbeitsteilung hat einen klaren Grund: Tiefes Marktwissen entsteht nur durch konsequente Fokussierung. Wer jeden Tag denselben Markt beobachtet, erkennt Muster und Anomalien, die anderen entgehen.

Parallele zum Unternehmertum: Viele KMU kennen das Gegenteil – man versucht, in zu vielen Bereichen gleichzeitig kompetent zu sein. Das Handelszentrum zeigt, dass echte Expertise aus Tiefe entsteht, nicht aus Breite.

Schnelle Entscheidungen auf Basis klarer Prozesse

Beim Beobachten des Aktienhandels Inland wird schnell klar: Hier zählen Sekunden. Ein Auftrag eingehend, Marktlage einschätzen, Gegenparteien prüfen, Ausführung – das alles passiert in einem engen Zeitfenster.

Was dabei nicht auffällt, weil es unsichtbar ist: der Rahmen, der diese Schnelligkeit erst ermöglicht. Klare Regeln zur Auftragsausführung (Best-Execution-Prinzip), eingespielte Prozesse und ein verlässliches Netzwerk aus Banken und Brokern sorgen dafür, dass auch unter Druck die richtigen Entscheide getroffen werden.

Für Unternehmer ist das eine bekannte Situation: Wer in der Krise erst anfängt, Prozesse zu definieren, verliert wertvolle Zeit. Wer vorbereitet ist, entscheidet schneller – und besser.

Zusammenarbeit und Netzwerk als Wettbewerbsvorteil

Das BEKB-Handelszentrum arbeitet nicht isoliert. Es ist vernetzt mit nationalen und internationalen Banken, Brokern und Börsen. Dieser Zugang zu Liquiditätsprovidern – beim Devisenhandel sind es laut BEKB 25 verschiedene – ermöglicht es, jeweils die beste Konditionen zu erzielen.

Ein weiteres Beispiel: Als Mitglied im Emissionskomitee der Pfandbriefzentrale der Schweizer Kantonalbanken erhält die BEKB Preisinformationen zu Anleihen aus erster Hand.

Die Lektion für KMU: Wer gut vernetzt ist, entscheidet auf besserer Informationsgrundlage. Das gilt für Finanzmärkte ebenso wie für Lieferketten, Partnersuche oder Markteintritt.


Das Thema, das die meisten überrascht hat: Devisenmanagement für KMU

Was der Devisenhändler uns gezeigt hat

Der Einblick in den Devisenhandel war für viele Teilnehmer die grösste Überraschung. Die wenigsten hatten erwartet, dass professionelles Währungsmanagement auch für mittelständische Schweizer Unternehmen eine direkte Relevanz hat.

Der Händler zeigte, wie über die Plattform FX|net – eine elektronische Handelsplattform der BEKB – Devisengeschäfte abgeschlossen werden: per Kassa, auf Termin oder mittels Swap. Gleichzeitig können Gegenpreise von zahlreichen Liquiditätsprovidern direkt verglichen werden, um stets das beste Angebot zu erhalten.

Das Interessante dabei: Dieser Zugang ist nicht nur institutionellen Investoren vorbehalten.

Warum Devisenmanagement für KMU relevant ist

Ein Schweizer KMU, das regelmässig in Euro, US-Dollar oder anderen Währungen zahlt oder Einnahmen erzielt, ist automatisch einem Währungsrisiko ausgesetzt. Häufig wird dieses Risiko unterschätzt oder schlicht nicht aktiv gesteuert.

Die Faustregel, die wir mitgenommen haben: Ab einem Volumen von rund CHF 2 Millionen jährlich in Fremdwährungen lohnt sich der Einsatz aktiver Devisenlösungen. Das umfasst Unternehmen, die importieren, exportieren oder international einkaufen und verkaufen.

Ohne eine Absicherungsstrategie entscheidet letztlich der Zufall – oder genauer: der Markt – über einen Teil der Marge. Bei volatilen Währungspaaren wie EUR/CHF kann das in einem Jahr mehrere Prozentpunkte ausmachen.

Was konkret möglich ist

Das BEKB-Handelsteam für Devisen unterstützt KMU bei:

  • Kassageschäften: Sofortiger Währungsumtausch zum aktuellen Kurs
  • Termingeschäften: Absicherung eines zukünftigen Wechselkurses für planbare Zahlungsströme
  • Devisenoptionen: Flexibler Schutz mit der Möglichkeit, von günstigen Kursbewegungen zu profitieren
  • Limitierten Aufträgen: Automatische Ausführung, wenn ein gewünschter Kurs erreicht wird – auch ausserhalb der Bürozeiten

Für ein exportorientiertes KMU bedeutet das konkret: Wenn Sie wissen, dass Sie in drei Monaten eine grössere Zahlung in Euro erhalten, können Sie diesen Kurs heute schon fixieren. Das schafft Planungssicherheit – und schützt die Marge.


Was Unternehmer vom Profi-Handel direkt ableiten können

Der Business Lunch nach der Exkursion war besonders wertvoll: In entspannter Atmosphäre haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutiert, was das Erlebte für das eigene Unternehmen bedeutet. Einige konkrete Punkte, die dabei herausgearbeitet wurden:

Nach der Exkursion bei der BEKB folgt der Business Lunch. Am Tisch werden die Eindrücke besprochen und das Erlernte reflektiert. So können alle für das eigene KMU etwas mitnehmen.

Bild: Nach der Exkursion bei der BEKB folgt der Business Lunch. Am Tisch werden die Eindrücke besprochen und das Erlernte reflektiert. So können alle für das eigene KMU etwas mitnehmen.

1. Risikobewusstsein schärfen Im Handel ist Risikomanagement kein Lippenbekenntnis, sondern tägliche Praxis. Jeder Händler weiss, welche Verluste er maximal in Kauf nehmen darf. Für KMU stellt sich die analoge Frage: Welche Risiken – ob Wechselkursrisiken, Kreditrisiken oder Konzentrationsrisiken – sind explizit definiert und aktiv gesteuert?

2. Märkte verstehen, in denen man tätig ist Die Händler im BEKB-Handelszentrum haben im Schnitt über 20 Jahre Erfahrung in ihrem spezifischen Markt. Für KMU-Inhaber bedeutet das: Wer in einem Markt tätig ist – sei es ein Branchenmarkt, ein geografischer Markt oder ein Finanzmarkt –, sollte diesen Markt gründlich kennen. Und für Bereiche ausserhalb der eigenen Kernkompetenz lohnt es sich, auf spezialisierte Partner zu setzen.

3. Spezialisierung als Stärke positionieren Die konsequente Aufteilung in spezialisierte Teams im Handelszentrum ist kein Zufall. Tiefes Fachwissen schlägt breites Halbwissen. Für KMU kann das bedeuten, Nischen konsequenter zu besetzen statt zu versuchen, alles für alle zu sein.

4. Entscheidungsprozesse vorbereiten Schnelle Entscheidungen sind nur dann gut, wenn sie auf einer soliden Basis stehen. Im Handel bedeutet das: klare Regeln, gute Informationen und ein eingespieltes Team. Für KMU lautet die Übertragung: Wer Entscheidungssituationen antizipiert und Prozesse vorbereitet, agiert besser als wer ad hoc reagiert.

5. Netzwerke aktiv nutzen Das Handelszentrum betreibt ein intensives Bank-to-Bank-Geschäft. Vernetzung ist keine nette Ergänzung, sondern Grundlage für gute Konditionen und Informationsvorsprung. Wer als KMU-Inhaber in Netzwerke wie den CEO-Club investiert, investiert in genau diese Kapazität.


Typische Missverständnisse zum Devisenmanagement im KMU-Kontext

«Das ist nur für grosse Unternehmen relevant» Falsch. Ab einem bestimmten Fremdwährungsvolumen – als Orientierung gelten rund CHF 2 Mio. jährlich – ist aktives Währungsmanagement wirtschaftlich sinnvoll und zahlt sich aus.

«Wir rechnen einfach mit einem Puffer im Budget» Das ist keine Strategie, sondern Hoffnung. Ein Puffer schützt bis zu einem gewissen Grad – eine Absicherung hingegen bietet echte Planungssicherheit, insbesondere bei volatilen Währungspaaren.

«Das ist zu kompliziert für uns» Spezialisierte Händler wie jene im BEKB-Handelszentrum erklären die Optionen verständlich und passen die Instrumente dem Bedarf an. Kassageschäfte und einfache Terminkontrakte sind auch für KMU ohne Finanzabteilung handhabbar.


Fazit: Ein Besuch, der nachhallt

Die Exkursion ins BEKB-Handelszentrum war mehr als ein interessanter Ausflug in die Bankenwelt. Sie hat gezeigt, dass die Prinzipien, die professionelle Händler täglich anwenden, direkt auf unternehmerische Entscheide übertragbar sind.

Risiken kennen und steuern. Sich auf das Wesentliche konzentrieren. Netzwerke pflegen. Entscheidungen vorbereiten.

Das BEKB-Handelszentrum – mit seinem erfahrenen Team rund um Urs Grunder und Remo Kunz – hat uns einen ehrlichen und praxisnahen Einblick gegeben. Dafür ein herzliches Dankeschön an alle Händlerinnen und Händler, die uns teilhaben liessen.

Ein konkreter Auftrag für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen von einer strukturierten Devisenstrategie profitieren könnte. Wenn Sie regelmässig in Fremdwährungen zahlen oder Einnahmen erhalten, ist das Gespräch mit einem Spezialisten wie dem BEKB-Devisen-Team einen Termin wert.

Weitere Informationen zum BEKB-Handelszentrum und seinen Dienstleistungen finden Sie unter bekb.ch/de/asset-management/handelszentrum.


Gemeinsam mehr lernen: CEO-Club Schweiz

Exkursionen wie diese sind ein Kernelement des CEO-Club Schweiz. Als Mitglied profitieren Sie von einem Netzwerk gleichgesinnter Unternehmerinnen und Unternehmer, von praxisnahen Lernformaten und von Einblicken in Branchen und Betriebe, die normalerweise verschlossen bleiben.

Wenn Sie solche Erfahrungen regelmässig in Ihren unternehmerischen Alltag integrieren möchten, lohnt sich ein Blick auf die Mitgliedschaft:

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